Fußwallfahrt nach Trier 2012

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Unter der Jahreslosung "... und führe zusammen was getrennt ist" machten sich 67 Pilger am 17.05.2012 auf den Weg nach Trier.

Die Vorfreude auf eine Wallfahrt ist was einen antreibt, begeistert energenitisiert. Sie macht aktiv, stärkt das Selbstbewusstsein und verleiht einem Kraft. Durch Erzählungen wird die Vorfreude gesteigert. So macht Stress Spaß.

Nach vielen kleinen Etappen, wie Kleinjerusalem, Tönisvorst seit 1982, hatte ich auch schon mal über Trier nachgedacht. Da Erna mich schon mehrmals gefragt hatte, warum geht ihr nie mit nach Trier. Nach Trier? Pilgern? Nein danke, ging es mir durch den Kopf. Aber irgendwas blieb in meinem Kopf. Etwas später fragte ich Gertrude:“ Wollen wir mal mit nach Trier?“ „Das machen wir“, war die spontane Antwort.

„Was würdest du sagen“, fragte ich Johannes, „wenn ich mich mit Gertrude auf die Socken mache und an der Wallfahrt nach Trier teilnehme?“

„Mensch egal, aber hatten wir nicht ausgemacht etwas zu unternehmen?“ „Ach es ist doch noch Monate bis dahin, ich würde gerne mit Gertrude nach Trier gehen!“

„Was versprecht ihr euch von der Pilgerei?“

„Alle machen das jetzt! Vielleicht um etwas Ruhe zu finden, nach dem Stress der letzten Zeit. Zu entschleunigen (neumodisch gesagt) und geistige Einkehr zu halten, verstehst du?“

„Du meinst, dass Kniebundhosen, Wanderschuhe und muffige überteuerte Unterkünfte eine gute Voraussetzung dafür sind?“

Die haben auch ein Motto für die Wallfahrt:

„Wer ein Wort des Trostes hat, der rede“

„Sag mal, was stört dich? Ich hatte gehofft du würdest mitkommen“. „Dafür ist mir mein Urlaub zu schade. Ach weißt du, ich entschleunige lieber zu Hause, bei einem Bier oder beim Sport! Du wirst staunen, wie relaxt ich bin, wenn du von deinem Massenausflug nach Hause kommst“.

Mein Entschluss stand fest, ich pilgere mit nach Trier. Der Knoten war gelöst. Nun sind Johannes und ich in diesem Jahr zum 18.mal gemeinsam auf Pilgerreise nach Trier. So in etwa war es gewesen...


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Donnerstag, 17. Mai 2012 - Christi Himmelfahrt

5.00 Uhr Wortgottesdienst mit Friedhelm. Brudermeisterstab und Pilgerstäbe sind verteilt. Hubertus reicht Karl das Pilgerkreuz. Auszug, Verabschiedung von Freunden, Bekannten, Verwandten. Friedhelm spricht den Reisesegen am Matthiasstein. Glockenläuten begleitet uns zur Glehner Str., wo Gernot das Morgengebet spricht.

Der Gottesdienst heute Morgen war ein Erlebnis und ein schöner Start zu einer schönen, erlebnisreichen Wallfahrt.

Im Pilgerschritt geht es dem Kreuzträger Karl hinterher. Der erste Schritt ist getan. Das Pilgerkreuz begleitet uns seit vielen Jahren und geht immer vorneweg. Am Dorfkreuz in Scherfhausen, Aldenhoven, wie auch in Bedburdyck machen wir Halt. Anstatt der „Fünf Wunden“ trägt Hubertus uns Psalmen vor.

In den nächsten Tagen werden wir noch oft an Kreuzen und Fußfällen vorbei kommen. Einige sind liebevoll geschmückt. Andere sind von Unkraut umgeben in dunklen Ecken. Vielleicht auch längst vergessen. Auf einer Wallfahrt hat man den Blick für versteckte Kreuze. Früher dienten sie als Wegweiser. Für viele haben sie keine Bedeutung mehr. Würde man nachforschen, so würde man erfahren, dass jedes Kreuz seine eigene Geschichte hat.

8.00 Uhr Bedburdyck, wir sind gut in der Zeit, der Kaffee steht schon bereit. Die Namensschilder sind verteilt. Ein paar Verhaltungsregeln es noch gab, vom Brudermeister mit dem Stab. Die Religion oder der Berufsstand spielt keine Rolle. Wir sind unterwegs gemeinsam. Gemeinsames Beten und Bitten, dass das zusammen wächst was zusammen gehört. Dazu dient unser gemeinsamer Glaube.

Gisela, unsere Neupilgerin, hat das Kreuz und den Pilgerschritt übernommen. Mit dem Rosenkranzgebet geht es weiter. Schon lange vorher konnte man durch erzählen und durch Erlebnisse bei einigen Pilgern die erkaltete Glut wieder zum Lodern bringen.

65 Pilger sind nun unterwegs. Pilger allen Alters und einige denen man es nie zugetraut hat. Und die, die immer dabei sind, wie unsere Begleiter: Hansi, Arno, Hemma und Peter.

Die Bänke sind gepackt. Viele Getränke, auch Leckereien aller Sorten, Kuchen und Torten. Die Begleiter sind immer für uns da, ohne Worte. 8 Tage haben sie mit uns Mühe und Plage, dafür möchte ich schon mal „Danke“ sagen.

Sie sind wie Engel – der Bote. Eigentlich ist das mit den Engeln ganz einfach, sie sind Boten. Boten gehören zu den Hilfskräften. Leute, die etwas zu sagen haben, einen Auftrag, eine Botschaft, eine Nachricht. Ist der Auftrag erfüllt, kehrt der Bote zurück: das sind Engel – so sind Engel. Zur Erinnerung: das Männer Engel sind – ausschließlich, niemals Frauen. Es heißt „der Engel“. Der Bus, der schwarze Bus. Christiane unsere Fahrerin und Anette sind für die medizinische Tätigkeit, die Wunden, Schmerzen oder nur zum Reden immer für uns da, und Johannes, er hat die Quartiere bestellt und verwaltet das Geld.

10.20 Uhr Frimmersdorf, hier ist unser erster Halt. Die Stimmung ist wie das Wetter, strahlend.

Zur Losung: Peter B. „und führe zusammen, was getrennt ist“: Er nimmt sich unserer Schwachheit an und lässt erkennen, was zusammen geführt und sinnvoller Weise getrennt werden sollte.

 Dem Kreuzträger Burkhard geht’s hinterher. Mit Schweigen stimmen wir uns auf das Kommende unserer Wallfahrt ein. Weiter geht’s an der Erft entlang. Weiden säumen das Flussbett der schnell fließenden Erft. Betend und singend ziehen wir dahin.

11.50 Uhr in Bedburg zum Mittagessen kommen wir an. Später auf dem Rasen sieht man uns ruhen dann. Dazwischen wird gescherzt und gelacht, das gehört dazu wenn man eine Wallfahrt macht.

 

13.00 Uhr. Durch den Schlosspark führt uns der Weg wieder zur Erft. Die Sonne färbt die Erft dunkel-blau. Wie ein Band schlängelt sie sich an uns vorbei. Der Blick reicht weit über die grüne Landschaft.

15.00 Uhr. Auf dem Hof der Fam. Valder in Thorr kehren wir ein, hier dürfen wir wieder zu Gast sein. Der Kuchen von Hedi steht wie aufgereiht für uns bereit, „Danke“. Heppendorf ist unser nächster Halt, hier kommen wir um 16.12 Uhr an.

Hubertus liest einen Psalm. Wir gehen in Stille weiter. Eine Pilgerwoche schafft Distanz zum Alltag und zu den Problemen. Trotz Strapazen ist eines auf der Wallfahrt spürbar; Man kann zur Ruhe kommen. Leib und Seele finden, was sie vermissen. Es ist für alles gesorgt. Man braucht nur zu pilgern. Keine Diät, kein Wellness, das richtige Maß an Bewegung ist vorgegeben. Kondition ist ebenso nötig wie Durchhaltevermögen. Für das Wetter gibt es nur gute Kleidung. Für die Füße nur gute große Schuhe. Dabei vergessen wir was in den Schuhen steckt. Wir laufen und treten täglich auf ihnen herum, und vergessen das kleine Wunder am unteren Ende des Körpers.

28 Knochen, 31 Gelenke, Sehnen und Bänder, Muskeln und feinste Nerven. Im Laufe des Lebens tragen sie uns fast 3mal um den Erdball. An einem Wallfahrtstag machen sie 45 – 50 000 Schritte.

17.40 Uhr. Nach dem Abendgebet, wir singend bis zum Gasthof „Neffelthal“ ziehen. Das war der erste Tag auf dem Weg nach Trier.