Fußwallfahrt nach Trier 2011

Erstellt: Mittwoch, 24. August 2011 21:08
Geschrieben von Marga Meuser
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Unter der Jahreslosung "Neige das Ohr deines Herzens" machten sich 59 Pilger am 02.06.2011 auf den Weg nach Trier.

 

 


Donnerstag, 2. Juni 2011


Der Kalender bringt es an den Tag, heute 2. Juni recht spät ist Himmelfahrt in diesem Jahr.

05:00 Uhr Wortgottesdienst mit Friedhelm, Petra und Jutta. Auch Dank an Franzi Ratz (Messdiener). Wir, die Rad- und Buspilger erhalten den Reisesegen. Hubertus reicht Thomas Bommes den Brudermeisterstab. Bevor es hinaus geht, teilt Thomas die Pilgerstäbe und das Kreuz noch aus. Der jüngste männliche Neupilger in diesem Jahr ist Peter Adollfs, der trägt nach alter Sitte das Kreuz aus dem Dorf heraus. Ein Gruß noch hier und da, gute Wünsche und Gebetsaufträge noch hier. So machen wir uns auf den langen Weg nach Trier. Am Pilgerkreuz an der Glehner Strasse noch ein Morgengebet bevor es weitergeht. Vornweg Peter mit dem Kreuz, wir anderen schließen uns an. Noch ist die Stimmung und das Wetter gut. Nach einer gefühlten Ewigkeit der pilgerlosen Zeit, geht es mit stahlblauem Himmel und klarer Luft endlich richtig los.

Himmelfahrt ist der Tag, der unsere Wallfahrt einläutet oder einleitet. Unser diesjähriger (Leiter) Brudermeister Thomas, der fühlt sich ganz fit. An seiner Seite hat er Maria, Hubertus und einige Vorbeter, die helfen mit. Wir machen uns auf den Weg, wie einst die Weisen, um Christus zufinden. Wie jene, die im Stern ein Zeichen Gottes erkannten. So wollen auch wir Pilger Gottes Nähe erfahren. Darum zu beten, dafür aufmerksam zu werden und sich darüber zu freuen, ist Sinn und Ziel unserer Wallfahrt. Innehalten, gemeinsames Beten und Singen, Lachen und Weinen, Schlafen und Aufwachen. Man entdeckt soviel auf einer Pilgerreise. Nicht nur die körperliche Bewegung, auch die Augen entdecken Pflanzen die man sonst nicht wahrnehmen würde. Die Natur dabei erleben und mit allen Sinnen genießen. Spüren was unter die Haut geht und sich wohlfühlen.

Darüber hinaus hoffen wir auf eine erfahrungsreiche Pilgerwoche, mit passenden Gebeten zur heutigen Zeit. Wallfahrten sind Exerzizien auf zwei Beinen. Früher inspizierte man die Truppen hoch zu Ross. Der Brudermeister, in anderen Bruderschaften auch Pilgerführer genannt, muss gut zu Fuß sein. Mal vorne, mal hinten. Er muss die Pilger im Blick haben. Es gibt klare Regeln. Niemand geht vor dem Kreuz. Somit bestimmt der Kreuzträger das Tempo. Die Altpilger wissen, das Kreuz trägt einen. Am Dorfkreuz in Glehn, Aldenhoven und Bedburdyck, an denen wir die „Fünf Wunden“ beten, sind „selige“ Sitzgelegenheiten. Man hat etwas Zeit sich auszuruhen.

07:55 Uhr, Frühstück in Bedburdyck. Früher, wenn man sich keine Namen merken konnte, hieß das „vergesslich“. Inzwischen heißt das „Alzheimer“. Um dem vorzubeugen hat Johannes wieder für alle Namensschilder gemacht. Einige Worte von Thomas hören noch wir, dann sind wir endlich mit 58 Pilgern, darunter 6 Neupilger und 2 Jubilare auf dem Weg nach Trier. Kreuz (Bernhard) voran, und sofort fängt man mit dem Beten an. Die Neupilger sind: Elisabeth Frehn, Sigrid Sintke – Steinmann, Peter Adollfs, Manfred Hebenstreit, Heinz Kolvenbach und Bernhard Schlüter. Die Jubilare: Renate Schynke 20 Jahre und Hardy Jöbges 25 Jahre.

Der VW-Bus. Der VW-Bus ist einer der beliebtesten Fahrzeugklassen. „Mann ist der gelb“, fährt es einem durch den Kopf. Das polierte Gelb ist nicht der Post zu verdanken, sondern unserem Neupilger Heinz Kolvenbach. Die äußere Optik ist wie in all den Jahren unverändert. Er sprüht vor Kraft und Eleganz und wirkt wie ein französischer Landbulle. Kompakt – gedrungen und unglaublich stark. Er rattert, rappelt und schnauft. Sonst gibt es nichts an ihm auszusetzen. Er läuft vor allem auf langen Strecken zu großer Form auf. Er ist der typische Pilgerwagen für alle, die einen Mittelklassewagen fahren können und an den Pilgertagen die Pilger chauffieren dürfen. Er sieht gut aus. Das mag oberflächlich klingen. Das Heck ist klar und übersichtlich mit einer Heckklappe. Der Laderaum ist mit einem Raumwunder zu vergleichen. Um die Pilger, die hinten sitzen nicht zu verletzen, gibt es praktische Helfer wie Ösen und Trennstangen. Standesgemäß gehört ein Chaffeur dazu. Die Arbeit hinter dem Steuer erfordert Kraft und Spaß am Fahren. Zuständig in diesem Jahr ist Christiane, die auch bei Bedarf an unsere Füße will. Die Hinterachse ist luftgefedert, gleitet auch vollbeladen über holprige Strassen dank Christiane sanft dahin. Der Arztkoffer ist voll gepackt. Für einen sorgenfreien Weg ist Anette seit vielen Jahren als ehrenamtlicher Sanitäter für die Pilger da. Neben Johannes, der für das Finanzielle seit Jahren sorgt, sind auch wieder die guten Engel unsere Begleiter. Hemma und Peter, Hansi und Arno dabei.

10:42 Uhr, Frimmersdorf ist unser erster Halt. Zur Losung trägt Hardy vor: Der Weg, auch der Pilgerweg erzählt von Wandel und Verwandlung. Das Wiederkehrende und die neue Erfahrungen.

10:50 Uhr, Manfred trägt das Kreuz. Schweigend geht’s an der Erft entlang. Bei geistlichen und lustigen Liedern kommen wir gegen 11:50 Uhr zum Mittagessen in Bedburg an.

13:00 Uhr, es geht weiter bei Gebet und Gesang an der Erft entlang. Die Sonne macht es uns nicht leicht, deshalb wird unterwegs noch mal was zum Trinken gereicht. Bis Paffendorf geht’s gut voran, in Thorr kommen wir um 15:00 Uhr an. Hier ist der Tisch reichlich mit Hüftgold gedeckt, von Hedi, wie seit Jahren schon. (Danke)

15:45 UhrAuf dem Weg nach Heppendorf berichtet Friedhelm über den Vatertag. Vater sein, Vater - Pflichten - Wünsche - Freizeit. Noch mal alle Kräfte zusammen gerafft, die letzte Etappe bis Blatzheim wird bis 17:45 Uhr bei wolkenlosem Himmel auch noch geschafft. Das Abendgebet mit Thomas sprechen wir, das war der erste Tag auf dem Weg nach Trier.


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Freitag, 3. Juni 2011

„Gib deinem Leben die Hand und lass dich überraschen, welche Wege es mit dir geht.“

Es ist 04:30 Uhr, die ersten Pilger sind beim Frühstück. Draußen wird es schon langsam hell. Um 05:45 Uhr treffen wir uns vor der Gaststätte Neffelthal. Peter Frehn beginnt den neuen Tag mit dem Morgengebet. Das Morgengebet soll einen Denkanstoß liefern. Wenn nur ein Satz anspricht und zum Nachdenken anregt, dann hat es sich gelohnt. Das frühe Aufstehen ist kein Hindernis. Weiter geht es, dem Kreuzträger (Hardy) immer hinterher. Das Kreuz für den anderen tragen, was den Schritt schneller werden lässt.

07:10 Uhr, Hochkirchen, am Sportplatz wird eine Trinkpause gemacht. Die Sonne scheint es auch heute mit uns gut zu meinen. Maschinen und Computer bestimmen unseren Alltag. In den nächsten Tagen bestimmen unser Körper, Geist und Seele die Zeit. Auch sind wir nicht nur durchgelegenen Betten oder dicken schweren Oberbetten ausgesetzt, sondern auch ständigen Wetterkapriolen. Es ist Juni, da hat der Frühling eigentlich das Pilgerwetter im Griff. Nicht wie letztes Jahr, da hätte man lange Unterhosen brauchen können. Mit T-Shirt und Pullunder bekleidet fiel man sichtlich auf. Aber lieber kalte Tage, als Eiseskälte im Umgang mit unseren Pilger - Schwestern und Brüder. Gegen ein trockenes, kaltes Pilgerwetter haben wir eigentlich nichts. Eine sonnenüberflutete Pilgerwoche ist auch nicht schlecht, wenn sich die Temperaturen in Grenzen halten.

08:15 Uhr, wie soll es anders sein, treffen wir pünktlich in Gladbach bei Familie Briem ein. Seit 20 Jahren dürfen wir hier Gast sein. (Danke) Ein kleines Geschenk haben wir dabei. Mit Gebet und Gesang geht’s an Zülpich vorbei und wir treffen um 10:20 Uhr bei Bauer Berg ein. Zur Losung spricht Hemma: Wir sind dann „ganz Ohr“. Die Wallfahrt will das Ohr des Herzens hellhörig machen, damit die gute Stimme Gottes uns erreichen kann. Es ist unsere Entscheidung, ob wir ihn hören wollen.

Für die Neupilger gut zu wissen. Durch die Erfttaue nähern wir uns der Voreifel, weit sichtbar die Matthiasstele. Ein 5 m hohes und 7 Tonnen schweres Steindenkmal. Die Korschenbroicher Pilger kommen uns schon entgegen. Begrüßung, ein Lied, danach jeder weiterzieht. Durch den Hohlweg hinauf zum Irnischer Berg. Hier ist die Wegkreuzung zweier ehemaliger Römerstraßen, deren Verlauf immer noch als Pilgerweg dient. Die Bänke und der Ausblick laden zum Verweilen ein. Aber wir haben wenig Zeit. Um 12:00 Uhr müssen wir in der Zehntscheune sein. Ein Getränk gibs von den Jubilaren und Neupilgern hier, dafür sagen Danke alle wir.

Bauerncafe’ „Zur Zehntscheune“ der Fam. Voissel. Die Zierde eines Hauses sind die Menschen, die es besuchen. Im 16. Jahrhundert wurde die „Zehntsteuer“ erhoben. Die Bauer der Umgebung mussten den 10te Teil ihres Ertrages an den Lehnsherren abgeben. Die Abgabe erfolgte in Naturalien.

Klaus ist ein Zacken aus der Krone gebrochen. In Zülpich gibt es bestimmt einen Zahnarzt. Dort fuhr man hin. In der Apotheke fragte man nach. Der Zahnarzt war gleich nebenan. Dort gingen Klaus und Anette hin, während Christiane und Johannes sich um einen Parkplatz kümmerten. Dann ging man zur Praxis. Klaus erklärte, dass es etwa eine Stunde dauern wird, und Anette euch sucht. Wir warten draußen bei der Bank erklärten die beiden. Anette kam zurück und fragte:“ Waren die beiden noch nicht hier?“. Doch, die warten bei der Bank. Anette hatte eine andere Bank im Kopf und lief den Weg bei der Bank hin und her, hin und her, sah aber niemand und ging zurück zur Praxis und sah die beiden nicht. Die sonnten sich auf der Bank neben der Praxis.

13:00 Uhr, weiter geht’s durch die frische Luft der Voreifel. Mit Blick auf Schloss Eicks überqueren wir die Nepomukbrücke. Hinauf geht’s zur Marienkapelle. Hier stehen wir betend zusammen dann hier, eine tolle Gemeinschaft spüren wir. Am Friedhof in Hostel, wie auch in Schützendorf wird noch mal Trinkpause gemacht. Der Tag scheint endlos. Die Sonne scheint noch lange nicht bereit zu sein das Feld zu räumen. Die Sohlen brennen, die Waden schmerzen, der ganze Körper hat ein Tief.

16:05 Uhr kommen wir im Jugendheim in Kall an. 16:35 Uhr, wir machen uns auf zur letzten Etappe. Urft ist heute unser Ziel. In ruhiger Umgebung liegt sie da die Jugendherberge, sie ist heute unser Nachtquartier. In langsamen Schritten geht es die steile Strasse hoch. Johannes verliest die Zimmerverteilung und jeder ist gespannt in welchen „Bau“ es einen wieder verschlägt. Die Baue sind mit je 4 Betten bestückt. Mit Bettwäsche und Handtuch bewaffnet geht es auf Zimmersuche. Die warmen Farben und die ätherischen Öle der Bettwäsche haben eine schläfrige und lustige Wirkung beim Beziehen der Betten. In der Dusche herrscht Hochbetrieb. Es ist laut, trotzdem bekomme ich die Unterhaltung zweier Pilgerinnen mit. „Was machst du denn da?“. „Siehst du doch, Haare waschen“. „Und wieso benutzt du kein Wasser?“. „Darf ich nicht, auf der Flasche steht ausdrücklich, nur für trockenes Haar geeignet“. Nach dem Duschen ein leckeres Essen im Gasthof. Es folgt eine ruhige Nacht.


 


Samstag, 4. Juni 2011


Der Weg wächst unter deinen Füßen wie durch ein Wunder. (Reinhold Schneider)
Ganz sanft werden Doris und ich aus dem Schlaf gerissen. Das Leben auf den Fluren hat längst begonnen. Das Wachwerden dauert nur wenige Sekunden und das Adrenalin strömt durch den Körper. Das Hirn rechnet rapide in etwa 16 Stunden kann das müde Haupt sich wieder zur Ruhe begeben. Jeder Tag ist in Zeitzonen eingeteilt. Es gibt Arbeits – Freizeit – Schlafens – und Mahlzeiten. So ist es auch auf einer Wallfahrt. Betzeiten –Freizeiten – Pausen – und Essenszeiten. Schlafzeiten, die auf einer Wallfahrt etwas kürzer ausfallen.

06:00 Uhr, Messe im Herrmann-Josef-Haus. In ganz neuer Aufmachung präsentiert sich die Kapelle. Links eine Feuerstelle, die aussah wie ein brennender Dornbusch, meint Annette. Durch die bunten Glasfenster dringt nur wenig Tageslicht. Der hektische Alltag wird ausgesperrt. Der Blick fällt auf die gestapelte Steinwand, die als Kerzenständer dient. Die Kerzen tauchen den Raum in warmes Licht. Die brennenden Kerzen verraten, dass dieser Raum kein einsamer Ort ist.

07:00 Uhr, betend setzen wir unseren Weg fort. Die Sonne schimmert durch die Bäume. Die tanzenden Äste bewirken ein leuchtendes Lichterspiel. Die Natur und das Wetter verwöhnt uns und lässt uns das letzte Jahr fast vergessen. Eine Pause am See, bevor es schweigend weiter geht. Auch die Frösche verstummten wie auf Komando.

08:30 Uhr, Pause an der B 258. Die Sonne scheint seit heute früh und verspricht eine gute Gefährtin zu werden. Die Losung spricht heute Christiane: Es gibt Zeiten, da wollen wir nicht hören, da geht nichts rein. Da machen wir dicht, was immer auch die Gründe sein mögen. Eine Meditation zur geistlichen und geistigen Hilfe zur inneren Einkehr. Abschalten, konzentrieren auf und um uns herum. Pilgernd zur Ruhe kommen. Wir werden in den nächsten Tagen noch mehr Meditationen zu unserer Losung hören. Schließt man die Augen, ist das die Vorstufe von Glück „Wer das Ewige nicht im eigenen Herzen gefunden hat, im Äußeren findet er nie, was er im Inneren nicht schuf“. ( Lama Lovinda) Es geht schweigend weiter zum Silberberg. Hier im Wald lebt die Umgebung. Es knackt hier und dort. Der Wald lockt mit Einsamkeit und zwischen Zweigen und Blattwerk verfängt sich so mancher Gedanke und eine Ahnung an die himmlische Herrlichkeit und Vollkommenheit. Die Achtung vor der Natur. An die irdische Schönheit und Gottes Nähe. Zwei und zwei geht’s die Schnellstraße entlang.

Die „Fünf Wunden“ noch, 10:05 Uhr, dann treffen wir auch schon in Schmidtheim ein. Die Neupilger: Sigrid, Elisabeth, Heinz, Bernhard, Manfred und Peter und die Jubilare: Renate und Hardy werden mit einem kleinen Getränk geehrt. Hubertus ist mit dabei und bekommt auch mal zwei.

10:35 Uhr Bevor wir unter Polizeischutz die B 51 überqueren, geht’s noch mal zwei und zwei dem Kreuz (Trägerin Barbara) hinterher. Ein Pilgermarsch nimmt den ganzen Pilger in Anspruch. Ein Pilger ist ein Geher kein Läufer. Beim Gehen arbeitet der Körper ganz gezielt. Läuft er dagegen, muss er viel mehr Energie verbrauchen. Man setzt beim Gehen die Ferse auf den Boden, rollt dann den Fuß über den Ballen und Zehen ab. So nimmt der Pilger beim Auftreten der Ferse mehr Energie mit in den nächsten Schritt und spart so Kraft für den nächsten Tag. Ob bei brennender Hitze oder klirrender Kälte, bei solcher Gemeinschaft wächst man über sich hinaus was die Kraft wachsen lässt. Das Göttliche beim rhythmischen Gehen hat was, was über Dimensionen hinausgeht – wenn das Gehen in Fleisch und Blut übergeht, läuft es wie von selbst. Ist man nach 2 Stunden wandern kaputt, wächst ein Pilger über sich hinaus. Pilgern ist eine Wurzel des Wanderns.

Losung: (Rainer) Wie auf der Wallfahrt, könnte man sagen. Der Tag, die Zeiten und Abläufe, Rast und Mahlzeiten, alles soll so ineinander gefügt sein, „dass die Starken finden, was sie suchen und die Schwachen nicht davonlaufen,“

Die Sonne kitzelt unsere Stimmung auf ein Hoch. Es geht uns allen gut. Gewappnet mit guten Tipps geht es weiter. Im Bürgersaal von Feusdorf werden wir schon von Marlene und Peter Hülser erwartet. Mit einem leckeren, verdienten Mahl gestiftet von Willi Kohlen, wir danken allemal.

Hunger und Durst sind gestillt, zügig und stramm geht’s weiter um 13.30 Uhr dann. Sonne, Sonne, Sonne, von Regen keine Spur. Letztes Jahr war es zu windig und kalt, manchmal Sonnenschein. Das kann nur der Klimawandel sein, denn an zu wenig beten kann es nicht gelegen haben. Beten um schönes Wetter, die Rechnung geht nicht auf. Vielleicht hat Petrus in diesem Jahr doch Erbarmen.

Losung: (Peter A.) Wenn wir wissen, wo unser Platz ist, dann lässt sich vieles entspannt angehen. Das gibt Sicherheit. Sie entsteht, wenn alle aufeinander zu hören bereit sind. Die Sonne macht es uns nicht leicht. Eine verschwitzte Pilgerstrecke ist das heute Nachmittag.

Um 15.45 Uhr haben wir die Matthiaskapelle erreicht. Die Neupilger beten die „Fünf Wunden“ hier, das ist Tradition auf dem Weg nach Trier. Ach, o Schreck, die Sonne hat sich versteckt. Eine graue Wolke hängt über der Landschaft. Ein Gewitter ist im Anzug, gewaltig fuhr der Donner in die Stille, dann setzte der Regen ein. Die Begleitung hat nicht lange nachgedacht, und die Pilger nach Büdesheim in Sicherheit gebracht.


 


Sonntag, 5. Juni 2011

Ein Stück des Weges liegt hinter dir, ein anderes Stück hast du noch vor dir. Wenn du verweilst dann nur um dich zu stärken, nicht aber um aufzugeben. (Augustino von Hippo>

6.15 Uhr, Nach dem Morgengebet geht’s die Pilgerstraße hinauf. Die Luft ist noch etwas feucht. Uns geht es allen gut. Einige haben Muskelkater, andere haben wegen des Gewitters nicht gut geschlafen. Egal, alles ist vergessen, wenn man morgens in die Stille hinaustritt und nur in fröhliche Gesichter blickt. Schweigend setzen wir unseren Weg fort, und das tut gut. Man geht sein Tempo und jeder kann selbst entscheiden mit wem man des Weges geht. Auch ist es gut um die Gemeinschaft zu wissen, wenn es nicht so gut läuft.

7.20 Uhr:Wir haben die Eifelhöhe erreicht. Die Sonne hat uns eingeholt und verwandelt die Landschaft in ein wahres Sommerparadies. Grüne Wälder, bunte Felder wie gemalt, unberührbare Natur, nahezu atem-beraubend.

8.20 Uhr: wir kommen pünktlich in Weißenseifen bei Familie Becker an. Das zweite Frühstück gibt es dann.

8.55 Uhr: zum Pöllke setzen wir unseren Weg betend fort. Hier ergreift Thomas das Wort, zu beten für die Lebenden und Verstorbenen der Bruderschaft ist hier der richtige Ort. Den Brudermeistersegen gibt es auch hier noch. Fotos werden gemacht, soviel Zeit muss sein, wie geprobt reiht man sich wieder in die Pilgergruppe ein. Das Rosenkranzgebet hört sich für Außenstehende wie ein Gestammel und Gebrumme an. Selbst wenn wir stottern würden, Gott würde uns hören.

In Neuheilenbach treffen wir unter Glockengeläut gleichzeitig mit den Buspilgern ein. Um 10.30 Uhr soll ein Wortgottesdienst für alle sein. Geladen sind auch alle Menschen aus dem Ort, mit uns gemeinsam zu hören Gottes Wort. Vorbereitet von Friedhelm, Birgit, Franz Josef, Hemma und Hubertus. Der Gottesdienst war wunderschön.

Einfach zum Nachdenken
Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern? Wurde euch diese Frage schon einmal gestellt und ihr habt geantwortet wie Petrus? Ich kenne diesen Menschen nicht. Eine Frechheit, mögt ihr vielleicht jetzt denken. Aber finden wir Menschen uns nicht öfter in der Rolle des Petrus. Wie und wann verleugne ich Jesus in unserer heutigen Zeit? Bist nicht auch du ein Jünger dieses Menschen? Eine solche Situation kommt sicherlich öfter im Leben vor, wo wir die Bekanntschaft mit Jesus leugnen. Es könnte sein, dass ich mich nicht traue bei meinen Arbeitskollegen oder im Bekanntenkreis zu bekennen, dass ich regelmäßig die Sonntagsmesse feiere. Es wird verheimlicht – also wird Jesus verleugnet. Das mir die Sakramente wichtig sind und ich danach und mit ihnen leben möchte. Es fehlt aber der Mut sich zu den Sakramenten zu bekennen – also wird Jesus verleugnet. Wenn ich einem meiner Mitmenschen behilflich sein kann und ich viele Gründe finde dies nicht zu tun. Es wird ein Mensch von mir im Stich gelassen – also wird Jesus verleugnet. Wenn ich achtlos mit der Umwelt umgehe und nur auf Profit aus bin. Es wird die Schöpfung Gottes durch mich zerstört und verkauft – also wird Jesus verleugnet. Und so wie Petrus damals zu Jesus sagte, werden auch wir heute sagen. „Niemals, Herr, werde ich dich verleugnen“. Und dann wird auch für uns der Hahn krähen.

Kornblumenblau strahlt der Himmel. Rings um uns strahlende Pilger. Zufrieden kommen wir um 12.30 Uhr beim Eisenmännchen an. „Eisenmännchen“ ein Kreuz, das Jahrzehnte in eine Buche reingewachsen ist. Nach dem „Engel des Herrn“ geht’s weiter dann und wir kommen pünktlich um 13.00 Uhr in Mohrweiler zum Mittagessen an.

14.30 Uhr:Eine Busfahrt steht auf dem Plan. Es wird wohl eine ruhige Fahrt. Bei so einer „Wallfahrt“ kann man Körper und Geist wieder ins Gleichgewicht bringen.

Mark Twain hat einmal gesagt: „Sommer ist die Zeit, in der es zu heiß ist, um das zu tun, wozu es im Winter zu kalt war“. Also jetzt ist es Zeit die Füße nicht länger in Pumps zu verstecken. Holen wir sie raus „die Pilgerschuhe“. Kein Wunder, dass sie so gemütlich sind, und dem Fuß einem lässigen Flair verleihen. Auch bei 30° sind Wander- oder Sportschuhe ein Muss. Sandalen sind nicht so empfehlenswert. Tabu ist außerdem barfuss im Schuh. Das stelle ich mir ganz gruselig vor. Allein schon die Gefahr Blasen zu bekommen. Allerdings schreit der Fuß nach sorgfältiger Pflege. Anette weiß Rat. Damit bei heißen Temperaturen die Füße nicht anschwellen, hilft morgens eincremen und abends ein Fußbad. Aber dafür haben wir auf der Wallfahrt keine Zeit und Gelegenheit. Besser als Socken seien außerdem Strümpfe, die wadenlang sind. Schließlich gilt die Regel, dass Männer kein nacktes Bein zeigen sollen, selbst dann nicht, wenn sie die Beine übereinander schlagen. Unverhüllt galt einst als unschicklich. Selbst im Sommer trug man Strümpfe. Frauen haben es in dieser Hinsicht besser. An warmen Tagen tragen sie Nylonsöckchen. Allerdings gibt es keine Vorschriften. Frauen würden sich doch nicht daran halten. Frauen gehen anders, sie gehen auf besondere Weise. Frauen gehen die Sache weniger ehrgeizig an, im Gegensatz zu Männern. Wenn Frauen gehen, wollen sie etwas für sich tun, und nicht im Wettbewerb mit anderen laufen. Frauen gehen anders motiviert als Männer. Auch die weibliche Anatomie beeinflusst den Laufstil. Frauen haben ein breites Becken und neigen deswegen häufig zu X-Beinen. Das färbt auf den Laufstil ab. Frauen horchen in ihren Körper hinein und finden immer das richtige Maß. Kein Wunder, dass es uns so gut geht.

Um 16.50 Uhr, ziehen wir in die Kirche von Kordel ein. Hier werden die Jubilare geehrt, und die Neupilger, wenn sie wollen, in die Bruderschaft aufgenommen. Nach dem uns Friedhelm noch mal den Sinn des „Sakramentalen Segens“ erklärt, wird uns noch eine filmreife Szene beschert. Als Johannes im Messdienergewand in die Kirche tritt, setzt ein freudiges, von Herzen nicht endenwollendes Gelächter ein. Don Camillo sucht Pepone. Nach dem Segen noch ein Gebet sprechen und ein Lied singen wir, so ist es sonntags auf dem Weg nach Trier.

17.30 Uhr, es geht weiter bis Burg Ramstein unser heutiges Quartier. Von weitem sieht man die verwitterten Mauern des vorhandenen Turms. Der Rest ist Zeuge vom Alter des Bauwerks. Die steingewordene Ewigkeit ist der Beweis, dass Menschen Bauten schaffen können, die viele hundert Jahre Zeit überdauern. Ein Banner weht im sanften Wind. Es ist ein friedliches Bild. Im Schatten der Bäume ist sogar die Hitze erträglich. Nach einem sonnigen Tag „Natur pur“ kann der Abend entspannt ausklingen.


 


Montag, 6.Juni 2011

(Drei Tage war Johannes krank, jetzt isst er wieder, Gott sei Dank)

Wenn der Weg unendlich scheint und plötzlich nichts mehr gehen will, wie du gewünscht – gerade dann darf du nicht zaudern. (Dark Hammerskjolt)
6.15 Uhr: Alle treffen pünktlich ein. Nach dem Morgengebet geht es rechts vorbei an Felswänden. Die Baumspitzen links strecken sich in den blauen Himmel. Die Sonne scheint uns zu suchen. Der Weg zum Himmel hat viele Kurven. Stille um uns herum. Nur der Gesang der Vögel ist zu hören. Dann sind wir schon am Eifelkreuz. Bis zum Schusterkreuz ist noch mal eine gute Kondition gefragt.

8.45 Uhr: Pause in der Nähe der Hochschule. Von hier oben zeigt sich Trier und die Mosel in ganzer Schönheit. Hier können Licht und Schatten einem einen Streich spielen. Ganz in der Ferne ist der Turm von Matthias zu sehen. Hinunter geht’s über die Römerbrücke und die letzten Kilometer links an der Mosel vorbei. „Heiliger Matthias, zu dir kommen wir“. Bevor wir auf den Abteihof kommen, reihen sich die Radpilger bei uns ein. Wir werden von den Buspilgern und vielen Angehörigen empfangen. Sogar die Glocken scheinen heller zu klingen als sonst.

10.30 Uhr: Nach der großen Anstrengung kommt die Belohnung beim Einzug. Wenn die Orgel erklingt, „Großer Gott, man singt“, dann klopft das Herz vor Freude. Das Gefühl ist auch nach Jahren nicht zu beschreiben. Das Gefühlsbarometer springt an. Gänsehaut, es kitzelt, es juckt, man schwitzt oder friert. Das Gehirn gibt den Befehl „Hormone ausstoßen“. Es regt den Stoffwechsel an und gleichzeitig entspannt es die Muskeln. Man muss es erlebt haben um es zu verstehen. Ist man auch noch so müde, wenn man angekommen ist wird es einem ganz leicht zu Mute. Ein Gefühl wie „wo Himmel und Erde sich berühren“. Mit guten Gedanken und einem Glücksgefühl für das Geleistete geht es für 24 Pilger nach dem üblichen Foto und der Verabschiedung nach Hause.

 


 


Dienstag, 7. Juni 2011

Es gibt Berge über die man hinüber muss, sonst geht der Weg nicht weiter.

7.00 Uhr: Das Frühstück war wunderbar. Es ist einfach, vom Tisch aufzustehen und sich um nichts weiter zu kümmern.

9.00 Uhr: Hl. Messe, Verabschiedung von Rad- und Buspilgern. Hubertus und Maria sind schon nach Hause. Thomas wählt deshalb Udo und Mark als Brudermeister aus.

10.45 Uhr: Wir machen uns auf den Weg. „Heiliger Matthias von dir scheiden wir“. Auf dem Trierer Marktplatz ein kleiner Stopp.

11.35 Uhr: wir sind angekommen bei Paulin, hier kehren wir ein, bevor wir um 12.05 Uhr weiter zieh'n. Das Frühjahr mit den Farben der Natur ist sicher die schönste Jahreszeit. Die Ruhe heute Morgen wird vom Lärm der Autos abgelöst, weil unsere nächste Wegstrecke an einer belebten Strasse vorbei führt. Unser Ziel heute Mittag ist Ruwer, wo wir nach dem „Engel des Herrn“ pünktlich um 13.05 Uhr ankommen.

Zur Losung (Frank): Die Gäste damals waren Menschen, die einfach kamen und plötzlich da waren. Bei einer Wallfahrt kann es ähnlich sein. Da kommen Neue dazu, die man nicht kennt. Sie können ihren Platz nur finden, wenn sie Wohlwollen und Offenheit spüren.

15.00 Uhr: Ein Bus bringt uns bis Piesport zur Kirche. Es ist ein helllichter Tag. Alle Pilger geben der bleischweren Forderung (innere Uhr) hemmungslos nach. Räkeln sich, schließen die Augen, richten den Blick nach innen. Die Ohren schalten auf Durchzug. Piesport ist gaaanz weit weg. Von den kleinen Orten, die sich wie Perlen aneinander reihen, und den Weinbergen rechts und links bekommen die wenigsten was mit. Immerhin haben wir die letzten Tage genug für unsere körperliche Bewegung getan. Dann das böse Erwachen. Die Sonne brennt, der Schweiß rinnt in Strömen. Die Flüssigkeit die wir getrunken haben tritt als Schweiß wieder heraus. Und Thomas kennt keine Gnade. Zu zwei und zwei geht’s die Weinberge hinauf. Kreuze basteln steht wie immer auf dem Plan.

16.15 Uhr: kommen wir an der Spoarkapelle an. Am Pilz wird noch mal Pause gemacht, bevor es geht nach Klausen hinab. Nach der Messe, stimmungsvoller Ausklang und gemütliches Beisammensein.


 


Mittwoch, 8. Juni 2011

Das Glück begreifen, dass der Boden auf dem du stehst, nicht größer sein kann, als zwei Füße die ihn bedecken. (Franz Kafka)

6.50 Uhr: Nach dem Morgengebet ziehen wir pünktlich fort. Die Kinder, die uns begegnen, lächeln ein bisschen verschwörerisch. Wer so früh unterwegs ist, gehört zu einer kleinen Gruppe von Sonderlingen. Seit 20 Jahren dürfen wir auch bei Familie Drautzburg Gast hier sein, auch für sie haben wir ein Geschenk dabei. Durch Wittlich noch, dann den Bußberg hinauf. „Der für uns das schwere Kreuz getragen hat“. Symbolisch wird die Last, die wir getragen mit dem Stein weggeworfen.

12.30 Uhr: in Hasborn zu Mittag müssen wir hier sein,

14.20 Uhr: in Mehren kehren wir in die Kirche ein.

15.00 Uhr: wir machen Pause im Darscheider Wald.

17.00 Uhr: in Darscheid, dort wird der Gottesdienst von den Begleitern gestaltet, und mit dem gemeinsamen Abendessen der Abschluss gemacht.


 


Donnerstag, 9. Juni 2011

Was nutzt es dem Menschen, wenn er schnell vorankommt, seine Seele aber auf der Strecke bleibt.(Petrus Ceelen)

7.50 Uhr: Nach dem Morgengebet geht’s betend von Darscheid fort. Die Sonne ist wieder unser Begleiter an diesem Morgen. Früher ging’s dem Pilger mehr um das Erbitten von Hilfen und Heil. Andere wollten Buße tun. Wer heute pilgert ist auf der Suche nach sich selbst, oder möchte nur die Gemeinschaft oder Natur genießen. Das Schöne ist, das ein Pilgerweg damals wie heute auch (Völker) vereint. Wer miteinander pilgert wird keine Waffe gegen den anderen erheben.

9.05 Uhr: wir sind am Afelskreuz.

Zur Losung: (Karl-Heinz) „Vater unser“ (siehe ganz am Schluß).

In Kehlberg wird unser letztes Frühstück sein. Andrea, Sabine und Wera haben sich was ausgedacht, und Orden an den Mann (Frau) gebracht. Sportpilger 2011: Peter, für die Leistung am Bußberg, Miss Fuß 2011: Gerti, für die vollbepflasterten Füße, schnellste Pilgerin 2011: Marga, als Duracell – Häschen, The Sexiest - Pilger from 2011, Mark, das Lächeln, die nette Worte, für den Augenaufschlag.

Jetzt, unsere letzte Etappe beginnt wenn wir um 14.30 Uhr wir pünktlich in Adenau sind. Hier noch ein Gebet, bevor es in 4 Autos nach Hause geht. Im Namen der Pilger ich dem Karl, Max und Jürgen „Danke“ sag.

17.30 Uhr: Wir werden von Friedhelm und 2 Messdienern in Kleinenbroich empfangen. Begrüßung, ein freudiges Wiedersehen, dann alle zur Kirche gehen. Dann beginnt das „Danke“ sagen. Thomas, du hast deine Sache gut gemacht, mit großem Applaus schließen sich die Pilger an. Verabschiedung, ein Foto draußen vor der Kirchentür, das war unsere Wallfahrt 2011 nach Trier.

Wir sind angekommen. Der Alltag hat uns wieder. In den nächsten Tagen ist ausschlafen angesagt. Das Liegengebliebene ordnen. Aber das Gefühl, dass man gut aufgehoben war in der Gemeinschaft trägt einen noch lange nach der Wallfahrt.

Wir waren dann mal weg.
Wir machten uns auf den Weg.
Die Worte bilden eine Einheit.
Wichtig ist aber nicht der Weg, sondern das Ziel. Vor allem gilt: Man kommt nie zu Hause an, wenn man sich nicht entfernt! (Hape Kerkeling)

Warten wir auf die nächste Wallfahrt, vielleicht – wer weiß?

 

„Vater unser“ Das einzige Gebet, das Gott uns lehrte! von Lothar Schröder

Volkswirtschaftlich gesehen ist Beten nicht relevant und rechnerisch ohne Ertrag. Und die Geste des Beters macht das sehr anschaulich: Wer die Hände faltet, ist zu keiner Tätigkeit mehr in der Lage. Betende Hände sind eine Verweigerung von Arbeit in produktivster Weise. Denn das Gebet arbeitet in ihm; es verwandelt ihn, sagt der evangelische Theologe Johann Hinrich Claussen.

So gesehen dürfte das Vaterunser einer der wirkmächtigsten Texte sein. Es ist mit Abstand das bekannteste Gebet – und obendrein das einzige, das Jesus seinen Jüngern zu Beten gelehrt hat. Es führt in „die ganze Weite des Menschseins aller Zeiten“, hat Papst Benedikt XVI. einmal gesagt.

Man kann dieses Gebet runterleiern, wie man es daheim oder in der Gemeinde vielleicht mehr aus Pflicht denn aus Begeisterung gelernt hat. Das ist der „Sound“ der Unempfänglichkeit. Solche mentale Imprägnierung verkennt die Bedeutung des Vaterunsers. Denn in ihm kann Gott zum ersten Mal vom Menschen direkt angesprochen werden. Mehr noch: Seine Worte sind nicht in die Weite des Himmels gerichtet, sondern an einen echten Adressaten. Nur wer seinen Ansprechpartner kennt, kann mit ihm Freundschaft schließen.

Das ist ein ganz und gar neuer Geist, der in diesen wenigen Zeilen des Gebets zur Sprache kommt – es ist der Ton der Vertrautheit. Gott im Du zu finden, ist heute in jedem Kindergottesdienst eine Kleinigkeit. Das Vaterunser aber markiert einen frühen Anfang. Und dieses erste Mal muss für jeden, der noch ein Gespür für Großes im Neuen hat, überwältigend sein.

Das Gebet ist fein gewoben mit seinem Muster aus genau sieben Bitten. Sieben aber ist eine heilige Zahl, sie beschreibt das Ganze, das Vollständige. Und genau im Zentrum dieser Bitten steht das tägliche Brot, genauer: der Leib Christi, der beim letzten Abendmahl gegeben wird zur Vergebung der Sünden. Das Vaterunser kreist um diesen Kern, um die Eucharistie. (Rheinische Post Düsseldorf 2010) (Auszug)